9. Okt. 2017

Quo vadis Sport?

Anlässlich der Nationalratswahl 2017 könnte der Sport wieder zum Wanderpokal werden – BSO-Geschäftsführer Mag. Rainer Rößlhuber zur aktuellen sportpolitischen Lage

Die bevorstehende Nationalratswahl 2017 beschäftigt derzeit ganz Österreich. Auch der heimische Sport beobachtet den Wahlkampf aufmerksam; könnte doch die Bildung einer neuen Bundesregierung für den Sport wieder einmal einen Wechsel des verantwortlichen Mitglieds in der Bundesregierung und des Bundesministeriums bedeuten. Nach zwei Perioden im Verteidigungsministerium, die entgegen vorheriger Befürchtungen durchaus ein gutes Zusammenspiel mit den Sportagenden gebracht haben, ist nun wieder alles möglich.

Da der Sport in der verfassungsrechtlichen Zuständigkeit Ländersache ist und der Bund überwiegend nur als Fördergeber des Sports auftritt, handelt es sich um ein kleines Ressort, das angesichts einer Sportsektion mit rund 40 MitarbeiterInnen nicht die notwendige kritische Größe für ein selbständiges Ministerium erreicht. Es verbleiben daher zwei Möglichkeiten: Entweder wie aktuell als zweites Ressort einem anderen Ministerium und seiner Bundesministerin/seinem Bundesminister zugeschlagen zu werden oder unterhalb der Ebene eines Ministers/einer Ministerin in Form eines Staatssekretariats betreut zu werden wie das 2006-2008 der Fall war.

 

Welche Wahrscheinlichkeiten lassen sich so kurz vor einer Wahl für die künftige Eingliederung des Sportressorts einschätzen?

Variante 1: Die über 10 Jahre aufgebaute und an und für sich gut funktionierende Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsressort bleibt aufrecht und die Sektion Sport als Teil dieses Ministeriums erhalten. Aus Sicht des Sports sprechen dafür die klare inhaltliche Trennung der beiden Ressorts und damit verbunden die Nichtbetroffenheit des Sports von Entwicklungen im militärischen Bereich. Ebenso die Rolle des Bundesheeres als Österreichs wichtigster Dienstgeber von SpitzensportlerInnen. Gerade erst in diesem Sommer hat Bundesminister Doskozil die Planposten für diese SportlerInnen von 180 auf 300 aufgestockt. Gegen diese Variante spricht, dass je nach Wahlausgang Bundesminister Doskozil für andere Ministerämter im Gespräch ist oder bei anderen Parteien in der Regierung ein neuer Minister für Verteidigung bestellt werden wird. Da kann der Sport schnell wieder woanders hinwandern.

Variante 2: Sport als Querschnittsmaterie ist in einem zentralen Koordinationsressort inhaltlich gut aufgehoben. Das spräche dafür den Sport wieder – wie schon 2006 – ins Bundeskanzleramt zu geben und dort gemeinsam mit den in einer ähnlichen Situation befindlichen Ressorts Kultur und Medien von einem Kanzleramtsminister/einer Kanzleramtsministerin oder allenfalls auch nur von einem Staatssekretär/einer Staatssekretärin führen zu lassen. Der Vorteil dabei wäre, dass man natürlich gerne direkt beim „Chef“ einer Bundesregierung ressortieren möchte. Wenn dieser dann auch noch eine Sportaffinität und -nähe hat, könnte das Schwung in viele Kooperationsfelder des Sports mit anderen Gesellschaftsbereichen bringen. Wenn der Kanzler/die Kanzlerin an der Spitze aber wenig mit Sport am Hut hat und naturgemäß mit vielen anderen Dingen ausgelastet ist, kann sich diese Ansiedlung im Kanzleramt aber schnell wieder als nachteilig erweisen.

Variante 3: „Heim“ ins Bildungsressort. Der erste Sportstaatssekretär Gerhard Schäffer war im damaligen Unterrichtsministerium beheimatet. Inhaltlich ist das fast die naheliegendste Variante. In die Bewegung der Kinder und Jugendlichen und in die Nachwuchssportentwicklung gehen maßgebliche Budgets der Bundes-Sportförderung. Die Initiative Tägliche Bewegungseinheit an Schulen und Kindergärten war das dominierende Thema im Breitensport in den letzten 10 Jahren. Das Bildungsministerium ist auch zuständig für die TrainerInnenausbildung über die Bundessportakademien. Allerdings musste seitens des Sports in den letzten Jahren festgestellt werden, dass Sport und Bewegung im Bildungsressort zunehmend an Stellenwert und Lobby verloren haben. Die Initiativen für mehr Sport an den Schulen waren alleinig dem Sportressort geschuldet. Aus dem komplexen Zuständigkeitsbereich der Bildung ist hier wenig Unterstützung gekommen. Aufgrund der Finanzierungsnöte des Bildungsressorts ist hier im Unterschied zur Variante 1 auch eine Beschneidung der finanziellen Möglichkeiten des Sportressorts wahrscheinlicher.

Variante 4: Ganz nach dem Motto „Mit dem Sport lassen wir uns nicht abspeisen“, das der damalige Parteichef der Grünen und heutige Bundespräsident Alexander Van der Bellen vorgegeben hat, besteht eine durchaus relevante Wahrscheinlichkeit, dass die sachlichen Argumente der Varianten 1-3 in der tatsächlichen Zuteilung keine Rolle spielen, sondern der Sport zum Ausgleich anderer Schmerzen einem Ressort als Trostpreis zusätzlich verliehen wird. Das kann dann vom Tourismus, von der Jugend bis hin zum Verkehr alles sein. Möge dem Sport dieses Schicksal 2017 erspart bleiben!

 

Quelle: Österreichische Bundes-Sportorganisation (BSO) – www.bso.or.at