8. Feb. 2018

Yvonne Schuring verabschiedet sich aus dem Kanu-Rennsport

Ein Weltmeistertitel, eine WM-Bronzemedaille, 20 Weltcupmedaillen, drei Olympia-Teilnahmen mit Top-Platzierungen und nicht weniger als 60 Staatsmeistertitel – das ist nur ein Teil der Erfolge, die Yvonne Schuring in ihrer Karriere im Kanu Rennsport sammeln konnte. Die am 04. Jänner 1978 in Deutschland geborene Oberösterreicherin hängt nach einer fast 15-jährigen Karriere an der Weltspitze nun das Paddel an den Nagel. Schuring möchte sich in Zukunft mehr auf ihren Job konzentrieren und die Freiheit nutzen, Sport zu betreiben, wann und wie sie will.

Bereits nach der letzten Olympiateilnahme 2016 in Rio de Janeiro wollte Schuring schon vom aktiven Rennsport zurücktreten: „In Rio wollte ich eigentlich die Chance auf eine Olympiamedaille noch einmal wahrnehmen, die hat ja in meiner Sammlung noch gefehlt.“ Nachdem Schuring diese mit Platz Elf in der Endwertung verwehrt blieb, wollte sie sich damals bereits aus dem Profisport zurückziehen. Allerdings kam nach einiger Zeit die Lust zu trainieren wieder zurück und Schuring beschloss, sich mit dem K1 über 1000 Meter einer neuen Herausforderung zu stellen. Bei der Europameisterschaft 2017 in Plovdiv/BUL, ihrem ersten Rennen in der neuen Bootsklasse, erzielte sie prompt den fünften Rang. Dies sollte jedoch auch das letzte Großereignis in der Karriere der Oberösterreicherin werden. Gesundheitliche Probleme verhinderten die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2017 in Racice/CZE. „Es klingt zwar abgedroschen, aber der Weg ist das Ziel. Ich habe viel Spaß daran gehabt, mich weiterzuentwickeln und wenn es dann auch noch funktioniert, kann man das schon feiern“, resümiert Schuring.

Bereits in ihrer frühen Kindheit war die Wahlösterreicherin dem Kanusport verfallen: „Kajak fahren war eines der Dinge, die ich schon früh richtig gut konnte. Aber das Faszinierende an der Sportart war für mich, dass sie so viele verschiedene Komponenten und Ansprüche in sich vereint: Kraft, Ausdauer und Technik müssen perfekt harmonieren, damit man das Boot optimal bewegen kann.“ Dass Schuring diese Anforderungen in sich vereinen konnte, hat sie bei unzähligen Wettkämpfen unter Beweis gestellt. Ihre Sternstunden erlebte die dreifache Olympia-Teilnehmerin gemeinsam mit Viktoria Schwarz in den Jahren 2010 und 2011 in der K2 Bootsklasse, wo sich das Duo mit Bronze und Gold bei der Weltmeisterschaft einen Lebenstraum erfüllen konnte.  „Die Gold- und die Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften, das waren erfolgsmäßig sicherlich die Höhepunkte meiner Karriere. Aber besonders in Erinnerung bleibt mir auch das Rennen um die Silbermedaille bei den European Games in Baku. Das war eines der besten Rennen, das ich je gefahren bin. Die größte Bedeutung haben für mich die Rennen, bei denen ich über mich hinaus wachsen konnte oder meine Taktik besonders gut aufgegangen ist.“

Eines von Schurings Erfolgsgeheimnissen und ein Garant für ihre kontinuierlichen Top-Leistungen war sicherlich auch die sportliche Betreuung durch ihren Lebensgefährten, Martin Riedl. „Es gibt immer Höhen und Tiefen und solche Themen machen an der Türschwelle keinen Halt, aber am Ende haben wir es nie bereut. Martin war und ist mir immer eine große Stütze, als Trainer und als Lebensgefährte. Ich hoffe aber auch, dass mit meinem Rückzug aus dem Spitzensport ein wenig Ruhe in unser Privatleben einkehrt und wir nun Zeit für andere Dinge haben.“

Neben ihrer Profi-Karriere als Kanusportlerin ist Schuring gelernte Verwaltungsangestellte und arbeitet für den Sozialhilfeverband Urfahr-Umgebung. Besonders freut sie sich auf die Freiheit, die ihr als zukünftige Hobbysportlerin bleibt: „Ich werde jedenfalls weiter trainieren und jeden Tag Sport machen. Außer Kanufahren kann ich nun auch Laufen oder Langlaufen oder sogar etwas ganz Neues ausprobieren.“

Einen Rat, den sie jungen Athleten, die am Beginn ihrer Karriere stehen, geben würde: „Behaltet euch auf jeden Fall den Spaß am Paddeln. Aber seid euch stets bewusst, dass man diszipliniert arbeiten und bereit sein muss, alles zu geben, wenn man an der Weltspitze landen möchte.“

Auch der Österreichische Kanuverband blickt mit Stolz auf die langjährige Zusammenarbeit mit Yvonne Schuring zurück. „Nicht nur wegen ihrer großartigen Erfolge, sondern auch auf Grund ihrer sportlichen Einstellung, ist Yvonne ein großes Vorbild und wird uns fehlen. Wir wünschen ihr für ihre Zukunft alles Gute und bedanken uns, dass der Verband sie bei ihren Erfolgen begleiten und unterstützen durfte“, so OKV-Präsident Herbert Preisl.

Ihre größten Erfolge:

 

·         Weltmeisterin 2011

·         WM-Bronze 2010

·         Silber European Games 2015

·         Gesamt-Weltcup-Zweite 2014

·         20 Weltcupmedaillen - 5x Gold, 9x Silber,6x Bronze

·         5. Platz Olympische Spiele London 2012

·         9. Platz Olympische Spiele Peking 2008

·         11. Platz Olympische Spiele Rio de Janeiro 2016

·         60 x Österreichische Staatsmeisterin

·         3 x Deutsche Meisterin