Gerhard Seibold feiert 77. Geburtstag

Gerhard Seibold feiert heute seinen 77. Geburtstag. Insider nicht nur der Rennsport-Szene kennen ihn als kongenialen Partner des 55-fachen Staatsmeisters Günther Pfaff aus Steyr, mit dem er von 1966 bis 1971 nicht nur Olympiadritter 1968 im Zweier über 1000m (Mexiko) war, sondern auch Vizeweltmeister (Vierer) und WM-Dritter (Vierer) - und vor 50 Jahren auch Weltmeister im klassischen, olympischen Zweier über 1000m!

Eine Goldene, die er weit höher schätzt als olympisches Bronze in Mexiko, das überbewertet werde. "Erstens", sagt Seibold, der am 13. Mai seinen 77er nach zwei Herzinfarkten mit Folgen in wieder guter Gesundheit feiert, "ist ein Titel ein Titel, zweitens waren wir die ersten Weltmeister seit dem Kremser Orgelbauer Gregor Hradetzky mit Partner im Jahr 1936 - so nebenbei bei den Männern inzwischen auch die letzten, die das geschafft haben. Und drittens durften bei der WM zwei Boote aus einem Land starten, bei Olympia aber nur ein Zweier!" Wie das damals in Kopenhagen gegen die extrem starke Ostblock-Gegnerschaft ("Russen, DDR, Ungarn...") gelingen konnte, fasst Seibold kurz zusammen: "Wir hatten den gleichen  Stil, die gleiche Technik, die perfekte Harmonie!" Nachsatz: "Beim WM-Titel haben wir uns so leicht wie nie zuvor getan!"

Trotz Gold, trotz Olympia- und weiteren Medaillen nennt Seibold einen ganz anderen Wettkampf als gegen die Uhr und um Erfolg als größten Triumph über sich selbst. "Das Härteste", so der emeritierte Mittelschulprofessor für Sport, Geografie und Wirtschaftskunde, "das ich je gemacht hab, war eine Paddeltour mit dem Vierer- und späteren Zweierpartner Helmut Hedinger stromaufwärts von Klosterneuburg-Höflein nach Krems … dass wir damals die Stromschnellen überwunden haben, hat mich so stolz wie nie gemacht!"

Um ein Haar hätte Seibold das tragische Schicksal seines Langzeitpartners Günther Pfaff (Forelle Steyr) geteilt, der als 80Jähriger nach Herzinfarkt und Schlaganfall in einer Art Wachkoma liegt, "nicht reden, essen und trinken kann!" Er selbst überlebte, wie eingangs erwähnt, zwei schwere Herzinfarkte mit Aneurisma samt Koma ("Ich könnt´ dir sagen, wie es im Nirwana ausschaut…"), als wäre es höhere Fügung gewesen: "Der Herrgott wollt´ halt, dass ich noch länger auf dieser Erd´ bin!" In der Endphase der Karriere hatten sich - Harmonie hin, Stil her - die Kajak-Erfolgszwillinge auseinandergelebt, jeder auch auf Befe4hl des damaligen Sportwartes Raub (ebenfalls olympischer Medaillengewinner mit Wiedermann) neue Partner gesucht oder bekommen. Er bedauert zwar den Pflegefall Pfaff, sagt aber auch ehrlich, "dass der Günther jeden Partner erledigt hat!"

Als Seibold anno 1973 das Handtuch als Paddler geworfen hatte, begann seine zweite Karriere als Gymnasiallehrer in Wien-Döbling beim berühmt-berüchtigten Direktor Sames in der Billroth-Straße, ehe das Angebot kam, die Nachfolge des legendären Ski-Chefs und Kondition-Gurus Professor Fred Rössner im Bundessportzentrum Obertraun anzutreten. "Ich hab´ alles abgewogen und dann abgelehnt - meine Frau wollte Berge und Wasser, ich Berge mit Wasser!"Ursprünglich hatte er sich in Gmunden beworben, als bei einem Skiurlaub in Saalbach das Angebot aus Zell am See kam, "dass ich dort in einer neuen Schule anfangen soll." Das war es, was Seibold gesucht hatte - und wo er bis heute in Schüttdorf lebt. Statt im Zweier oder vierer zu paddeln, gründete der Musik-Liebhaber eine Band, in der am Banjo in die Saiten griff. "Da haben wir auch für Autofahrer unterwegs mit Rosemarie Isopp gespielt", erinnert er an diese "Frühzeiten" der Karriere nach der Karriere. Als er dem Tod von der Schaufel gesprungen war, musste er auch musikalisch kürzer treten - und macht´s jetzt nur noch zweistimmig mit der steirischen Harmonika. Nichts, so scheint´s auch mit Blick viele Größen der Szene jenseits der 79 und 80, beruhigender und langlebiger zu wirken als die Wellen der Musik. In diesem Sinn darf man Gerhard Seibold, dem Weltmeister und Medaillensammler, zum 77er nur eines wünschen, das: Ad multos annos!

Der Österreichische Kanuverband schließt sich diesem Wunsch sehr gerne an und bedankt sich herzlich bei Josef Metzger, der diesen tollen Beitrag verfasst und zur Verfügung gestellt hat. Josef Metzger ist einer der bedeutendsten Sportjournalisten unseres Landes und war bis zu seiner Pensionierung Sportchef der Tageszeitung "Die Presse". Noch heute arbeitet er als freischaffender Sportjournalist, ist Buchautor und Verfasser zahlreicher Kommentare.